Das Ende des Social Networkings

Das Jahresende ist auch immer die Jahreszeit der Vorhersagen, welche Ereignisse im Folgejahr auf uns wohl zukommen werden.

Und nachdem wir laufend mit Nachdenken beschäftigt sind, fällt es uns nicht schwer, die eine oder andere Prognose abzugeben. Heute klingen wir nach Propheten, zum nächsten Jahreswechsel sind unsere Vorhersagungen ohnehin vergessen. Es gibt also nichts zu verlieren.

In den letzten Jahren boomten die sozialen Netzwerke, und jeder der etwas auf sich hält, erhält im Monatsrhythmus Einladungen von immer den gleichen „Freunden“ zu immer neuen Netzwerken mit immer gleichen Funktionen (Fotos, Videos, Gästebuch, Chat, woooow, nur diesmal in gelb/grün/blau statt rosa/rot/lila), nur um dort wieder die gleichen Leute zu treffen, und die gleichen Infos in sein Profil einzutragen.

Spätestens wenn man endlich sein myspace Account registriert hat und stolzer Besitzer einer Augenkrebs verursachenden Profilseite ist, findet man es nicht mehr außergewöhnlich, 200 Millionen Freunde im „erweiterten Netzwerk“ zu haben, was auch immer das sein soll.

Genauso sinnvoll wäre es, auf eine Jahreskarte der Wiener Linien anzugeben, dem Fahrgast stünden 730 Millionen Freunde im erweiterten Fahrscheinnetzwerk zur Verfügung. Oder 300.000 (Jahreskarte). Oder 200.000, nach Abzug der Senioren. Außerdem gehört das U-Bahn-Netz den Amis, und ist deshalb terroranschlagsgefährdet – warum wird zur Jahreskarte nicht auch gleich eine Lebensversicherung angeboten – aber ich schweife ab.

Aus technischer Sicht ist ja alles so einfach: Alles, was in einer Webseite erfasst und auch wieder dargestellt wird, landet in einer Datenbank. Die wenigsten wissen, was eine Datenbank den ganzen Tag so macht, außer vor sich hin zu speichern; die pöhsen mutmaßen, Datenbanken könnten missbraucht, manipuliert, angezapft, veruntreut werden, aber die wollen uns sicher nur schrecken. Nichts ist so sicher, als wenn man es online irgendwo ablegt, und weltweit darauf zugreifen kann. Immerhin ist ja alles passwortgeschützt.

Nun, den löblichen ersten Schritt zur Aufklärung weltweiter Benutzermassen setzte Facebook, in dem es mit einem Progrämmchen names Beacon aller Welt an Neuigkeiten verbreitete, was der Rest der Welt gerade machte, egal ob es der Rest des Rests der Welt wissen wollte oder nicht. Manche mögen das als Albtraum bezeichnen, allein, sie erkennen nicht, wie selbstlos Facebook dabei gehandelt hat, indem es achtlose Userleins wachrüttelte.

Kurz vor Weihnachten konnte sich auch Google dazu durchringen, seine Benutzer auf die Risken der Online-Datenhaltung hinzuweisen. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion ließ Google seine Benutzer wissen, was ihre „Kontakte“ gerne so lesen. Wahrscheinlich war das mit der impliziten Aufforderung verknüpft, zu überprüfen, ob man denn solche Kontakte noch als Kontakte haben wolle, angesichts der Informationen, was sie so konsumieren. Aber darüber können wir nur Mutmaßungen anstellen.

Zurück zu unserer Prognose: Diese Entwicklung wird weiter eskalieren. Social Networks werden nurmehr gegründet werden, um durch sie, bestens werbefinanziert, möglichst viele wissenswerte Details ihrer Nutzerleins zu extrahieren. Manche glauben, Benutzerdaten besäßen einen materiellen Wert, wer viele Benutzer hat, hat daher auch viel Wert (oder viele Werte?), und wenn sich zwei zusammentun, dann haben die einen noch viel größeren.

Benutzerdaten lassen sich über eindeutige Angaben wie Email-Adresse oder Screen Name oder IP-Adresse (bedingt) zusammenführen, und was ich auf der einen Website angegeben habe, lässt sich auf der anderen dadurch ergänzen. Aber ich will euch nicht schrecken.

Diese Eskalation wird solange eskalieren, bis alle 6 Milliarden Menschen in zumindest jeweils 3 Netzwerken registriert sind. Und dann beginnt der große Shake Out, und dann wird verkauft und gekauft (Daten, Mitglieder, Plattformen) und fusioniert werden, was das Zeug hält. Und dann wirds keinen mehr interessieren.

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