Weihnachten und andere Gemeinheiten

Willkommen zum Höhepunkt des Advents.

Wie wir alle wissen, bedeutet das Wort „adventare“ im Lateinischen „zurückblicken“, daher gibt es auch bereits 62.000 Hits, wenn wir nach „Jahresrückblick 2007“ suchen. Zum Glück passiert in der Zeit von Mitte Dezember bis Jahresende nie etwas, sonst würde uns im Jänner noch der Dezemberrückblick drohen.

Kurz darauf wurde das christliche Fest von der Konsumgesellschaft ad absurdum geführt: Menschen befinden sich in der Adventzeit derart intensiv im Konsumrausch, dass sie im Supermarkt ein beliebiges Einkaufswagerl vor sich hin schieben (wie z.B. meines (!) vorigen Freitag), wenn sie ihr eigenes nicht mehr finden.

Wie so oft, ist es auch bei Weihnachten der Fall, dass das Christentum sich einen bestehenden Brauch oder Mythos unter den Nagel gerissen hat, in diesem Fall nämlich den der Wintersonnenwende. Die Tage werden länger, die Nächte kürzer, was liegt da näher, als den Geburtstag eines Religionsstifters anzusetzen.

Diese Erkenntnis ist nicht ausschließlich auf meinem Mist gewachsen, nein, auch andere gescheite Menschen haben das erkannt (Übersetzung).

Und nur für den Fall, dass jemand unbedingt astronomische Ereignisse als Vorwand benötigt, um mich zu beschenken: am 3. Jänner wäre Perihel, ich freu mich schon😀

Soeben erreicht uns die Nachricht aus den USA, dem sprichwörtlichen Land der unbegrenzten Absurditäten, dass diese Vereinnahmung der Sonnenwende durch das Christentum nicht länger hingenommen werden kann. Immerhin erinnern wir uns, dass die USA als Fluchtziel vor politischer und religiöser Verfolgung entstanden ist. Darum ist es nur logisch, dass eine einzige Religion sich nicht einfach die Wintersonnenwende schnappen kann, und damit tun kann, was sie nur will. Auch Europa würde eine Prise Aufklärung gut tun.

Doch Moment. Einige Kommentatoren wollen unterstellen, dies geschehe nicht aus rationalen Überlegungen, sondern aus Rücksicht auf alle anderen Religionen, die eben kein Weihnachtsfest kennen? Kaum zu fassen!

Auch das Weihnachtsfernsehen ist nicht mehr das, was es einmal war. Dahin sind die Zeiten, als wir die Dialoge aus Tschitti-Tschitti-Bäng-Bäng memorieren und nachsprechen konnten, kaum finden sich mehr Ostblockmärchen im TV. Wie kann man mit der Osterweiterung so unsentimental umgehen? Stattdessen versorgt uns das Privatfernsehen, bekannt und gelobt für Meinungs- und Programmvielfalt, mit einer neuartigen Kombination aus Katastrophe, Apokalypse, und Gewalt. Vielleicht wirds ja nächstes Jahr besser.

Zu guter Letzt schlägt sich der weihnachtliche Rauschzustand in Form von Milde und Mitleid auch auf unsere politischen Akteure nieder, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung.

Bei welcher Gelegenheit und unter welchen Umständen Recht Recht bleiben muss, wann man von Härtefällen spricht, und wann generell ein Gesetz nicht berücksichtigt werden muss, diese Entscheidung entzieht sich im Einzelfall dem unwissenden Staatsbürger. Zum Glück haben wir für diese schwierigen Entscheidungen die Regierung, die man uns gewählt hat. Und die sorgt auch vor, dass wir nicht mehr so oft wählen müssen.

Was können wir doch froh sein!

2 Antworten to “Weihnachten und andere Gemeinheiten”

  1. Das Ende des Social Networkings « alltagswahnsinn Says:

    […] alltagswahnsinn wahnsinn im alltag « Weihnachten und andere Gemeinheiten […]

  2. Happy New Arbitrary Orbital Marker « alltagswahnsinn Says:

    […] Happy New Arbitrary Orbital Marker Update zum Weihnachtsmärchen: […]

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